Zugeparkte Straßen und verbale Attacken

KRITIK Stadtbrandinspektor Michael Grau fordert mehr Respekt für die Hilfskräfte

Usingens Stadtbrandinspektor Michael Grau fordert mehr Wertschätzung für die Einsatzkräfte. Foto Seifert

USINGEN. Meterhoch schlugen am Sonntagmittag die Flammen bei einem Garagenbrand in der Adolf-Möller Straße in die Höhe. Nur durch den zügigen Einsatz der Feuerwehr konnte ein Übergreifen des Feuers auf das angrenzende Wohnhaus verhindert werden (der UA berichtete). Doch welche Schwierigkeiten die eingesetzten Kräfte schon bei der Anfahrt zur Einsatzstelle bewältigen mussten, blieb weitgehend unbemerkt. Usingens Stadtbrandinspektor Michael Grau, der gemeinsam mit seinem Stellvertreter Andreas Lang am Sonntag vor Ort war, hat seine Kritikpunkte nun zusammengefasst und kommt zu dem Fazit „Das ist keine Wertschätzung, wie die Leute mit uns  umgehen.“ Nicht nur die teilweise zugeparkten Straßen, die ein Durchkommen mit den großen Einsatzfahrzeugen erschwerten, ärgern den Usinger Feuerwehrchef. „Auch die verbalen Attacken auf unsere Helfer sind nicht akzeptabel“, macht Grau deutlich. „Da stehen Gaffer mitten im Brandrauch. Fordern wir sie freundlich auf, den Einsatzbereich zu verlassen, bekommen wir ein freches Maul angehängt“, so Grau, der in solchen Situationen immer häufiger auf die Unterstützung der Polizei angewiesen ist. Der Brand am Sonntag hat aber auch gezeigt, dass unsere Übungs- und Bewegungsfahrten, die wir regelmäßig mit den Einsatzfahrzeugen durch die Wohnstraßen machen vonnöten sind. Aber auch hier bekommen die Männer und Frauen der Feuerwehr häufig Kritik entgegengebracht. „Bei uns in der Straße passiert doch nichts. Warum soll ich denn mein Fahrzeug umparken?“ Solche und ähnliche Fragen müssen die Feuerwehrleute oft beantworten, wenn sie bei Übungsfahrten an der Tür eines Autobesitzers klingeln, weil kein Durchkommen ist.

Beim Einsatz am Sonntag musste die Polizei ein Fahrzeug in der Limesstraße abschleppen lassen, weil ein Durchkommen weiterer Einsatzfahrzeuge nicht möglich war. Über einen schmalen Fußweg zwischen Weilburger Straße und Adolf-Möller-Straße hatte sich ein Löschfahrzeug an die Einsatzstelle vorgetastet, nachdem die Schranke entfernt worden war. „Dass hierbei wertvolle Zeit verloren geht und unter Umständen auch Menschenleben gefährdet werden, scheint vielen Autobesitzern nicht klar zu sein“, ärgert sich der Stadtbrandinspektor. Die Menschen reagieren sehr schnell aggressiv, kaum einer hat mehr Verständnis für die Arbeit der Rettungsmannschaften. Grau will in den nächsten Tagen gemeinsam mit dem Ordnungsamt das Wohnviertel rund um die Einsatzstelle in Augenschein nehmen. Dann soll auch geprüft werden, ob durch entsprechende Beschilderungen eine so kritische Situation wie am Sonntag in Zukunft vermieden werden kann. Dabei geht es dem Feuerwehrchef nicht nur um Einsatzkräfte der Feuerwehr. Auch der Notarzt und die Rettungsdienste kämpfen häufig mit zugeparkten Straßen. Und auch sie werden immer öfters verbal attackiert.       

Schade findet es der Feuerwehrchef auch, dass die Bevölkerung immer seltener ihre indirekte Hilfe anbietet. „In früheren Jahren wurden aus der angrenzenden Nachbarschaft Getränke für die Helfer bereitgestellt, man identifizierte sich mit „seiner“ Feuerwehr und unterstützte ihre Arbeit.  Heute hingegen fragen die Leute, wann endlich die Motoren abgeschaltet und die Straßen wieder freigemacht werden“, konstatiert Michael Grau. Dabei unterstreicht er noch einmal, dass das gesamte Rettungsnetz der Feuerwehr auf dem Land auf ehrenamtlicher Basis organisiert ist und die Menschen in ihrer Freizeit Dienst am Nächsten leisten. Gerade am Sonntag, wo viele Familien zum Muttertag ein gemeinsames Essen geplant hatten, mussten die Feuerwehrleute ihre Verabredungen verschieben. Denn der Einsatz zog sich bis weit in die Nachmittagsstunden hin.